Tavla « DANTON DENK RAUM

Tavla


| 20. April 2015
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Trocken und warm umhüllt mich süßlicher Rauch, der würzige Gruß aus einer Ferne, die gleichzeitig so nah ist, dass ich sie nicht scharf sehen, sondern nur erspüren kann. Zuckerkörnchen strahlen in meine Nerven, bis in die Zehenspitzen, bis ins tiefste Loch meiner Seele. Ich stelle das fast leere Glas sorgsam ab und atme tief ein. Schwer lehne ich mich zurück und nehme die Würfel in die Hand.

Klack-klack. Lange, ruhige Stille, die geduldig bleibt. Sie hört meinen Gedanken zu. Die lösen sich, gehen Schritt für Schritt vorwärts, immer weiter, zurück, weiter. Sie bewegen sich durch die abstrakte Welt des Feldes, tasten Längen- und Breitengrade ab. Ich schiebe Holz über Holz. Er zieht den Rauch tief ein, Pause, klack-klack, er atmet aus. Ich atme ein – Stille – Holz über Holz, atme aus. Klack-klack, er führt das Glas zum Mund, ich nehme einen langen Zug, er trinkt. Süße. Ich ziehe. Stille. Ich atme aus. Klack-klack. Stille. Zug – klack-klack – um Zug. Ein. Aus. Pause. Weiter. Klack-klack. Schieben. Ziehen. Vor. Ein. Aus. Klack-klack.

Der Klang der Runden dirigiert unseren Atem und unsere Blicke. Eine ruhende Bewegung. Eine Komposition, die uns weg von der Schwere des Zeitlichen trägt. Auf 41,04° nördlicher Breite und 28,9° östlicher Länge manifestiert sich am 14. April 2015 um etwa 21.30 Uhr EEST die jahrtausendealte Gedankenlosigkeit des Spiels. Ich atme ein.



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